kein Tiefenorter online
Johann Melchoir Molter wird am 19. Februar 1696 als Sohn des aus der thüringischen Rhön stammenden Kantor und Schullehrers Valtentin Molter in Tiefenort geboren. Die Eintragung seiner Taufe ist eine der ältesten Eintragungen in den Tiefenorter Kirchenbüchern.
Der begabte Knabe besucht in Eisenach die Lateinschule und singt dort im hervorragenden "Chorus musicus". Dieser erlebte zu jener Zeit seinen Höhepunkt. Während des ausgehenden 17. Jahrhunderts gehören ihm nicht weniger als sieben Mitglieder der Musikerfamilie Bach an, darunter Johann Sebastian.
Molter hält es auf Dauer nicht in Eisenach. Er durchwandert das Hessische und gelangt nach Frankfurt am Main. Hier trifft er Telemann, der ihn prägt und fördert. 1717 tritt er als Geiger in die Dienste des Baden-Durlachsen Hofes (Karlsruhe). Die Gunst seines kunstsinnigen markgräflichen Dienstherren ermöglicht ihm einen zweijährigen Studienaufenthalt in Italien. 1722 wird er, kaum 26 Jahre alt, zum Hofkapellmeister ernannt.
Infolge von Kriegswirren wird die Hofkapelle aufgelöst, Molter wirkt danach ein Jahrzent lang als Hofkapellmeister in Eisenach. Er kehrt jedoch nach Karlsruhe zurück und versieht dort - allseits geachtet - das wieder eingeführte Hofkapellmeisteramt bis zu seinem Tode 1765.
Das reichhaltige Schaffen Molters umfasst alle Arten der damaligen Musik und reicht vom Oratorium über Orchester- und Kammermusik bis zum Cembalostück. Weit über dreihundert Werke von ihm sind heute noch erhalten.
Das Buch "Auf der Flucht" schildert das Leben des Komponisten Molter; CD "Die alte Musik in klaren Strukturen" lässt einige seiner Werke erklingen. Beides erhältlich bei Peter Drescher, Tel.: 03695-825637 http://www.peter-drescher-tiefenort.de/einblicke.html
Die Gemeinde Tiefenort, einst dem Eisenacher Fürstenhause zugehörig, war Sitz des Amtes Krayenburg ab 1703 Justizsamt Tiefenort. Einige der Würdigung werte, in Tiefenort geborene und dort mehr oder weniger lange lebende Bürger fanden Erwähnung im unlängst erschienenen Taschenlexikon Eisenacher Persönlichkeiten. Grund genug, sich mit ihnen, die in der unmittelbaren Heimat vergessen sind, näher zu befassen.
Geht der Wanderer von Eisenach her durch das idyllische Mariental, kommt er irgendwann rechts auf einen Fußpfad, der - so ein alter Bericht steil und unbequem nach oben führt. Ihn folgend gelangt man zu einem stillen, abgeschlossenen, rings von Felsen und Gebüsch umgebenen Flecken, Kälbergrund genannt. Hier reckt sich, heute wüst, eine Säule, an zwei Seiten erhabene ovale Schilder mit den Inschriften: " Christian Heerlein starb am 24. Juni 1808. Und : Es ruht wohl hier /Im Schosse der Erde/Wo ich mit Moos bedeckt/Zu Staube werde.
Es ist das Grab eines Tiefenorters, der, unverheiratet, im Alter von neununddreißig Jahren starb. Aus Melancholie, wie das Kirchenbuch sagt. Er, Heerlein, am 27.5.1773 in Tiefenort geboren, war Amtssteuereinnehmer in Kaltennordheim, dann Oberamtsaktuarius in Eisenach. War sein Tod ein Unfall? Oder Selbstmord und deshalb sein Grab, damaligen christlichen Bräuchen gemäß, weit außerhalb des Gottesackers? Nun, niemand weiß es. Dunkel der Geschichte.
Eine schillernde, hochgeachtete Person war Heinrich Reus(s)ing. Er wurde als Sohn des Advokaten Heinrich Adam R. am 13.10.1767 in Tiefenort geboren. Aus finanziellen Gründen übernahm jedoch sein Onkel und Pate, der Landmilizmann und Rentbeamte Leo zu Tiefenort seine Erziehung. Dem Jungen wurde alle Liebe und Zuneigung zuteil, da die Ehe des Onkels kinderlos blieb. Vor allem die Tante verstand es, seinen Sinn für alles Schöne zu wecken. Da jedoch auch die Tiefenorter Pflegeeltern nicht sonderlich bemittelt waren und zudem arme Verwandte unterstützen, sollte der junge Reussing nach ihrem Wunsche Theologie studieren, da dies am billigsten war und ihn am ehesten unabhängig machen würde. Doch der naturverbundene, naturwissenschaftlich interessierte Reussing nahm ein Studium der Medizin in Jena auf. Noch während seines Studiums verstarben die Pflegeeltern und für den Studiosus begann eine schwere Zeit, da er sich das Geld für das Studium hart erarbeiten musste. Seine erste Arztstelle, das Physikat bekleidete er in Tiefenort. Hier wirkte er sehr segenreich und wurde oft obschon als junger Mediziner nicht praxiserprobt zu schwierigen und bedenklichen Fällen gerufen. Reussing lernte Maria Wedekind kenne(die eine bekannte Schriftstellerin ihrer Zeit wurde) und zog nach Eisenach. Am Fuße der Wartburg war er alsbald als beliebter, aufopferungsvoller Arzt und Stadtphysikus bekannt und geschätzt, der sich auch für ärmere Leute engagierte.
Heinrich Reussing wurde zum Ehrenbürger ernannt, erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen. Hervorzuheben ist, dass er die erste Hebammenschule in Eisenach gründete und bis zu seinem Tode 1846 deren Direktor war.
Noch ein Tiefenorter, der es zu Aufmerksamkeit, ja Ruhm brachte, sei hier aufgeführt.
Dr. Ferdinand Creuznacher. Er erblickte am 27.11.1821 in Tiefenort das Licht der Welt, sein Vater war der hiesige Amtsmann Carl Christian Creuznacher. Ferdinand besuchte das Gymnasium in Eisenach und studierte in Jena Jura (Mitglied der Burschenschaft Germania). Danach wirkte er als Amtadvokat in Stadtlengsfeld, gründete später in Eisenach eine eigene Rechtsanwaltskanzlei. Dr. Creuznacher, ein aufrechter evangelischer und bürgerlicher Demokrat, war Mitbegründer des deutschen Protestantenvereins. Er, ein Mann mit warmen Herzen, festen Willen und offenem Kopf, befasste sich u.a. mit dem Verhältnis des modernen Staates zur Kirche. 1869 gehörte er zu den Mitorganisatoren des Eisenacher Parteitages (Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei), Korrespondenzen mit Liebknecht und Bebel sind bekannt. Dr. Creuznacher verstarb 1873 in seinem Eisenacher Haus Markt 18.
Das kleine, beschauliche, abseitige Dorf an der Werra verdient historische Beachtung, kommen doch von hier Persönlichkeiten, die wiewohl im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten bis heute Spuren hinterlassen haben.
Aufgeschrieben von:
Peter Drescher