10.02.2011 - 19:50
Vor wenigen Tagen wurde in Tiefenort das neu konzipierte Frühwarnsystem
in Betrieb genommen. Es besteht aus sieben Erdfallpegeln vor den
Gebäuden in direkter Erdfallnähe, die mit jeweils einer Warneinrichtung
(Hupe, Rundumleuchte) in der Frankenstein- und Kantstraße verbunden
sind. Erdfallpegel bestehen aus Gewichten, die in Bohrungen in ca. 50
Meter Tiefe eingebaut werden. Bewegen sich die Gesteine im Untergrund,
rutschen auch die Gewichte nach und lösen die Warneinrichtung aus. Durch
die frühzeitige Warnung soll den Anwohnern ermöglicht werden, das
Gefährdungsgebiet rechtzeitig zu verlassen.
Ergänzend zu den Erdfallpegeln haben Erschütterungssensoren in vier
weiteren Bohrungen und eine seismologische Messstation den Testbetrieb
aufgenommen. Diese Systeme dienen mit der Registrierung von
Erschütterungen/Bewegungen im Untergrund vor allem der Überwachung des
weiteren Umfeldes des Erdfalls (z.B. in Richtung Schule).
Als letzter Schritt der Untersuchungsarbeiten soll eine tiefe Bohrung
den Untergrund von Tiefenort genauer erkunden. Alle Ergebnisse werden
dann in einer Komplexauswertung zusammengeführt. Erst danach kann ein
von der zuständigen Baubehörde zu beauftragender Bausachverständiger
Aussagen zur weiteren Nutzbarkeit der im Moment leer stehenden Gebäude
treffen.
Hintergrund:
Im Januar 2010 kam es zum wiederholten Mal zu einem Nachbruch des
Erdfalls in Tiefenort. Das 2005 installierte Frühwarnsystem konnte die
betroffenen Einwohner rechtzeitig vor der herannahenden Gefahr warnen.
Infolge dieses bisher größten Nachbruchs mussten 5 Häuser in der
direkten Umgebung des Erdfalls geräumt werden und sind seit nunmehr
einem Jahr nicht bewohnbar. Die Thüringer Landesregierung hatte den vom
Erdfall betroffenen Bürgern im Frühjahr 2010 eine Soforthilfe von
jeweils bis zu 10.000 Euro gezahlt.
Die zur Koordinierung aller Vorhaben gebildete Regierungskommission
beauftragte den Geologischen Landesdienst der Thüringer Landesanstalt
für Umwelt und Geologie mit umfangreichen geowissenschaftlichen
Untersuchungen zur Ortslage Tiefenort und mit der Erweiterung des
Frühwarnsystems.