kein Tiefenorter online
Über
die Entstehung von Tiefenort ist aus früher Zeit nicht viel bekannt.
Das Gebiet, auf dem Tiefenort jetzt steht, war im 8. und 9. Jahrhundert
noch weitgehend mit Wald und Sümpfen bedeckt, worauf der Lauf der Werra
mit ihren vielen Zuflüssen schließen lässt.
Der Landstrich links und rechts der Werra war fruchtbar und es wäre unsinnig anzunehmen, daß es an frühgeschichtlichen Besiedlungen fehlte. Beim Bau der Feldabahn 1878 und 1885 fand man uralte Besiedlungszeugnisse, in Leimbach stieß man bei Ausschachtungsarbeiten
auf alte Gräber, die etwa 20 ungehenkelte Gefäße — Urnen, Becher,
Tassen, Napfformen — enthielten. Einen weiteren Beweis vorchristlicher Besiedlung besitzt Tiefenort in einem Feuersteindolch, der sogar in einer Fachzeitschrift (‚Mannus‘, Band 23, Heft 1—3 von 1931) ausführlich beschrieben ist. Der Dolch wurde 1913 in der Nähe des Tröpfelsbörnchens gefunden und soll nach 945 als Raub-gut in den Besitz der amerikanischen Siegermacht „übergegangen sein. Da Leichenverbrennungen im damals heidnischen Thüringen nur bis zum 8. Jahrhundert üblich waren, lassen die alten Begräbnisstätten bei Leimbach und der am Tröpfelsbörnchen gemachte Fund aus der jüngeren Steinzeit auf das Vorhandensein einzelner Wohnplätze in Tiefenort bereits in vorchristlicher Zeit schließen.
Allerdings dürfen wir diese keinesfalls als Dorfgemeinschaften im heutigen Sinn begreifen, sondern sie sind höchstens als zerstreut liegende unbedeutende Höfe zu betrachten.
Das Christentum kam im Jahre 687 durch irisch-schottische
Mönche nach Thüringen (Toringen). Das Gebiet an der mittleren Werra —
also auch Tiefenort — unterstand kirchlich den Klöstern Fulda und
Hersfeld. Die älteste Urkunde, die über Tiefenort Auskunft gibt, stammt
aus dem Jahre 1137. Danach lautete die Bezeichnung von Tiefenort
Diffeshart = ein tief im Wald gelegenes Gelände (althochdeutsch
hart — Waldgelände). Es ist jedoch zu vermuten, daß der Ort bereits vor
der ersten urkundlichen Erwähnung bestand, denn es wird in einer
anderen Urkunde eine ganze Reihe von Familien genannt, die in Tiefenort
ansässig waren. Das preußische Staatsarchiv zu Marburg besitzt
beispielsweise folgende Urkunde über Tiefenort aus dem Jahre 1156:
„Da
vieles von dem, was im Laufe der Zeit geschieht, der Kenntnis der
Nachwelt entschwindet, erscheint es zweckmassig, für unsere Nachkommen
aufzuzeichnen daß Wideratus‘ presbyter de Dipheshart gewisse Menschen,
die als Leibeigene in seinem Besitz. waren, andere wiederum, die
Luidgerus de Dachgrubun (Dachgrube — Richtung Weißendietz) ihm
verkaufte, der Hersfelder Kirche vermacht hat,“
Leider sind uns in dieser Urkunde nur die Vornamen der betreffenden Familienangehörigen
überliefert worden (z. B. Wolfram, Udo, Ditlint‘ Hedwig), sodaß eine
sicher interessante Nachprüfung, ob es heute noch Nachkommen dieser
Familien in Tiefenort gibt, unmöglich ist. Personennamen im
eigentlichen Sinne des Wortes entstanden erst im 12. und 13.
Jahrhundert in Deutschland. Vorher kannte man nur Namen wie Schusters
Emil, womit der Sohn eines Mannes gemeint war. der das Schusterhandwerk ausübte.
Ach,
die Schreibweise! Es ist doch auffallend, daß der Name unseres Ortes in
den vielfältigsten Ausprägungen vorkommt, Diffeshart, Thiefeshart,
Dieffenhard, Dieffenorth, Diefenort. Gibt es etwa viele ‚‚Tiefenorte“?
Nein, nein, die verschiedenen Schreibweisen in der „VorDuden-Zeit‘
sind so zu erklären, daß die Beurkundungen fast inmer nach dem Gehör
geschrieben wurden, wobei das Sprachgefühl, die Stammeszugehörigkeit und der Bildungsgrad der Schreiber die Form des Namens begründete.